Braucht HR einen Social Media Manager?

Posted Oktober 24th, 2013 by Benni Winzer. Comment (0).

Diese Frage stelle ich mir nun schon seit geraumer Zeit. Und finde, dass die Frage nicht so ganz einfach zu beantworten ist.

Natürlich möchte ich als Angehöriger der Generation Y und als Personaler aus Leidenschaft sofort sagen: ‘Ja natürlich brauchen wir einen eigenen HR Social Media Manager!’

Aber ich bin auch Wirtschaftswissenschaftler und muss mir daher die Frage stellen, ob der Invest, den so eine Person darstellt, gerechtfertigt ist – vor allem da das Thema Social Media in vielen Unternehmen bereits auf die eine oder andere Weise durch die externe Kommunikation oder das Marketing abgedeckt wird.

Deswegen möchte ich anbei einmal eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen, um die o.g. Frage etwas besser und vor allem objektiver beantworten zu können.

Schauen wir uns daher zuerst einmal die Kosten an:

Mitarbeiter
Je nach Branche und Bekanntheit des Unternehmens (B2C oder B2B?) sowie Zielsetzung der Nutzung von Social Media ist die benötigte Mitarbeiter-Kapazität natürlich unterschiedlich. Und möchte man nicht die komplette Betreuung an eine Agentur auslagern (was selbstverständlich auch nicht zu unterschätzende Kosten verursacht), sollte man schon mal mit mindestens einer/m Mitarbeiter/in rechnen. Die hierfür anfallenden Kosten sind gut zu berechnen. Evtl. nötige Schulungen, Tagungen etc. kommen hinzu.

Agentur
Im Normalfall arbeitet man bereits mit einer (Personal-) Marketingagentur zusammen. Bringt diese Know-how mit und müssen sich die Entscheider daher nicht auf die Suche nach einer spezialisierten Agentur machen, fallen für das Layout sowie die Programmierung der gewählten Medien ein vier- bis fünfstelliger €-Betrag an.

Zeit
Wird ein Mitarbeiter/ werden mehrere Mitarbeiter für die Betreuung abgestellt, fällt dieser Punkt natürlich mit dem ersten Punkt zusammen. Wird die Betreuung der Medien aber durch eine Agentur wahrgenommen, dann fallen in HR zusätzliche Abstimmungszeiten an.

Gewinnspiele
Über den Sinn oder Unsinn von Gewinnspielen auf z.B. facebook wurde schon viel geschrieben. Entscheidet man sich für Gewinnspiele, darf man die Kosten, welche für die Gewinne anfallen nicht unterschätzen. Ein zu geringer Gewinnwert verfehlt nämlich die gewünschte Wirkung.

 

Kommen wir jetzt zur anderen Seite: dem Nutzen eines Social Media Managers, der sich speziell um die Belange von HR kümmert:

Einzahlung auf die Employer Brand
Das web 2.0 mit all seinen Möglichkeiten und sozialen Netzen hat unser tägliches Leben und vor allem unsere Art zu kommunizieren und Informatiomem zu beschaffen, entscheidend beeinflusst. Egal, ob ein Unternehmen das gutheißt oder nicht: die Entwicklung hat schon stattgefunden und wird weiter gehen. Auch über das Unternehmen wird in diesen Netzen geredet, und zwar sowohl über das Unternehmen als Hersteller von Produkte als auch als Arbeitgeber. Jetzt gibt es nur zwei Möglichkeiten: die Meinungen und Gespräche ignorieren oder sie zum Vorteil des Unternehmens nutzen. Wenn ein Unternehmen sich, vertreten durch einen Social Media Manager, im web 2.0 tummelt, sich dort authentisch als guter Arbeitgeber präsentiert, mit den Zielgruppen und Influencern interagiert und einen Mehrwert bietet: dann ist das Unternehmen da, wo seine Zielgruppe ist – und in Zukunft immer mehr sein wird. Und ganz wichtig: es kann seine Zielgruppe positiv beeinflussen und so das Employer Branding ein großes Stück mit beeinflussen. Nicht zu vergessen sind die aktuellen Beispiele (amazon oder zalando) die zeigen, dass ein schlechtes Arbeitgeber-Image durchaus auch Auswirkungen auf den Umsatz haben kann.

Etablierung von HR als Innovator
Die Nutzung sozialer Netze und Medien ist im privaten Umfeld mittlerweile alltäglich. Und das schon längst nicht mehr nur für die Generation unter 30. Mit der Übertragung all der Vorteile dieser Medien vom Privatleben auf den unternehmerischen Gebrauch tut man sich aber oft noch schwer. Kann HR der Organisation zeigen wie dieser Transfer gelingt und durch Ergebnisse und Kennzahlen belegen, dass hierdurch tatsächlich ein Nutzen entsteht, ist dies ein weiterer Baustein für HR sich als Vorreiter und Innovator zu etablieren. Und durch einen gut gepflegtes Netzwerk zu den anderen Social Media betreuenden Konzernfunktionen wie bspw. PR oder Marketing kann HR sich darüber hinaus als Mitentscheider präsentieren. Eine entsprechende Kompetenz beim Social Media Manager natürlich immer vorausgesetzt.

Vereinfachtes Recruiting
Das Hauptproblem des Recruiting besteht darin, in möglichst kurzer Zeit eine möglichst breite Bewerberbasis zu schaffen um so möglichst schnell den richtigen Kandidaten für die vakante Position präsentieren zu können. Ohne den viel diskutierten ‘War for Talents’ zu sehr stressen zu wollen lässt sich seit einigen Jahren doch eine deutliche Tendenz zu sinkenden Bewerberzahlen erkennen. Wir befinden uns mittlerweile in einem Arbeitnehmermarkt. Gekennzeichnet ist dieser dadurch, dass sich Unternehmen bei potientiellen neuen Mitarbeitern bewerben müssen, nicht mehr anders herum. Klassische Anzeigen in Printmedien haben für diesen Zweck schon länger ausgedient. Auch das reine schalten von Anzeigen auf der Firmenhomepage oder in Jobbörsen reicht nicht mehr. Denn der oben genannten Wandel unserer Informationsbeschaffung wirkt sich auf einen möglichen Jobwechsel aus. Oft sucht sich ein Bewerber mittlerweile zuerst ein Unternehmen aus und sucht erst dann gezielt bei diesem Unternehmen nach einer ihm passenden Vakanz. Und wie findet er ein für ihm passendes Unternehmen? Genau so wie schon früher: über Tipps und Empfehlungen. Mit dem einen Unterschied, dass die Empfehlungen – oder Warnungen – jetzt nicht mehr nur aus dem meist überschaubaren Bekanntenkreis kommen sondern im Extremfall aus der ganzen Welt; natürlich per sozialer Netzwerke. Durch einen einflussreichen und die Medien gut pflegenden Social Media Manager können daher viele potentielle Bewerber auf ein Unternehmen aufmerksam gemacht werden, die ansonsten wohl für das Unternehmen verloren wären. Durch ein angeschlossenens Talent Management kann so ein Pool an potentiellen neuen Mitarbeitern aufgebaut werden, durch den die Passgenauigkeit der Besetzungen steigt und gleichzeitig die Besetzungsdauer abnimmt.

Die hier angestellte Kosten-Nutzen-Rechnung ist noch nicht quantifiziert. Für bereits quantifizierte Best-Practice-Beispiele bin ich dankbar. Aber auch ohne konkrete Zahlen zeigt sich schon, dass ein Social Media Manager nicht nur Sinn macht sondern ein Muss für jedes Unternehmen ist, das auch morgen noch eine Rolle auf dem Arbeitsmarkt spielen möchte. Und da die Bedürfnisse und Zielsetzungen von HR sich von den allgemeinen Kommunikations-Bedürfnissen eines Unternehmens unterscheiden macht auch ein spezieller Social Media Manager für HR durchaus Sinn.

 

 

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